Der Aufbau der Priesterausbildung

Informationen zum Ausbildungsgang der
Priesteramtskandidaten im Erzbistum Paderborn

von Regens Msgr. Dr. theol. Michael Menke-Peitzmeyer

 
 

Worin besteht das Ziel
der Ausbildung zum Priester?


Die so genannte "Rahmenordnung für die Priesterbildung" (2003) gibt darauf eine ebenso kurze wie präzise Antwort:


„Das Ziel der Priesterbildung ist der Christ, der aufgrund seiner menschlichen und geistlichen Reife, seiner theologischen Bildung und seiner pastoralen Befähigung geeignet und bereit ist,

- der Berufung Gottes zu entsprechen und sich in Weihe und Sendung durch den Bischof für die Kirche als Priester in Dienst nehmen zu lassen in der Lebensform der Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen,


- seine menschlichen, geistlichen und beruflichen Fähigkeiten so weiterzuentwickeln, dass er den in der Priesterweihe übernommenen Auftrag Christi an den Mitmenschen in der jeweiligen pastoralen Situation ein Leben lang wahrnehmen kann.“

 
 
 
 

Wie ist die Ausbildung zum Priester aufgebaut?


Die insgesamt achtjährige Ausbildung zum Priester im Erzbistum Paderborn geschieht in folgenden drei Phasen:



1. Propädeutische Phase (1 Jahr)


Das Propädeutische Jahr folgt der Maßgabe des Apostolischen Schreibens „Pastores dabo vobis“ Papst Johannes Pauls’ II. (1992). Das Jahr dient der Einführung der Priesteramtskandidaten in die komplexen Ausbildungszusammenhänge des Theologiestudiums und des Priesterseminars, ohne die ständigen Wechselbeziehungen mit der konkreten sozialen Wirklichkeit der Menschen und den kirchlichen Kontext, in dem sie leben, aus dem Blick zu verlieren.

Aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen im Blick auf die jeweilige kirchliche Sozialisation sowie die schulische, berufliche und universitäre Vorbildung und wegen noch offener Fragen in der Klärung der Motivation für das Theologiestudium versuchen wir im Rahmen dieses Jahres, die Kandidaten in zentralen Ausbildungsbereichen zu schulen und so zu einer begründeten und tragfähigen Entscheidung für das Theologiestudium als Priesteramtskandidat zu führen.

Eine Glaubens-, Lebens- und Sprachschule, die jeweils Anfang September beginnt, dient der Einführung in die Ausbildung. Ansprechpartner für diese erste Ausbildungsphase ist Subregens Michael Kammradt. Er gibt Ihnen gerne nähere Informationen, auch im persönlichen Gespräch.



2. Studienphase (10 Semester = 5 Jahre)

In der darauf folgenden Studienphase, die im dritten Jahr von zwei so genannten Freisemestern an einer auswärtigen Universität im In- oder Ausland unterbrochen wird, bereiten sich die Priesteramtskandidaten auf den Abschluss der Magister-Prüfung in Theologie vor. Neben dem intensiven Studium an der Theologischen Fakultät Paderborn arbeiten sie im Priesterseminar an ihrer menschlichen, geistlichen und pastoralen Befähigung zum priesterlichen Dienst. Dabei kommt es vor allem darauf an, sich auf das Gemeinschaftsleben im Priesterseminar einzulassen und die Kommunität als einen Ort der menschlichen und spirituellen Bewährung für den späteren Dienst in der Gemeinde zu verstehen.

Im gegebenen Fall ist es möglich, bis zu einem Jahr außerhalb des Priesterseminars zu leben, um sich unabhängig von den Strukturen eines Ausbildungshauses mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine Entscheidung für den Priesterberuf tragfähig ist.



3. Pastoralkurs (2 Jahre)

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums mit dem Magister theologiae bewirbt sich der Kandidat für den zweijährigen Pastoralkurs, dessen Schwerpunkt die weitere pastorale Befähigung zum Dienst in der Kirche ist. Der Pastoralkurs beginnt mit der Feier der Admissio, also der offiziellen Aufnahme unter die Kandidaten für das Diakonen- und Priesteramt.

Der Pastoralkurs wird gemeinsam mit den Priesterseminaren in Fulda, Erfurt und Berlin durchgeführt. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt in einem Pastoralpraktikum mit unterschiedlichen pastoralen Schwerpunkten in einem Pastoralen Raum unseres Erzbistums. Dazwischen liegen einzelne „Theorieblöcke“ in den Priesterseminaren Erfurt, Paderborn und Fulda. Auf diese Weise lernen die Seminaristen unterschiedliche gesellschaftliche und kirchliche Realitäten in der Mitte und im Osten Deutschlands kennen, besonders die weiträumige Diasporakirche in der früheren DDR.



Die Diakonenweihe findet jeweils im ersten Pastoraljahr statt – und zwar am Vortag des 4. Ostersonntags in einer Pfarrkirche unseres Erzbistums.



Die Priesterweihe bildet den Abschluss der Ausbildung und findet am Vortag des Pfingstfestes im Hohen Dom statt. Nach einer vierwöchigen Urlaubsphase tritt der Neupriester seinen Dienst in einem Pastoralen Raum unseres Erzbistums an.


Aufbau der Ausbildung
 
 

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