Westfenster "Martin Luther" - Evangelische Abdinghofkirche, Paderborn

„Ein feste Burg ist unser Gott ...“

Hausgemeinschaft besucht Gottesdienst zum Reformationsgedenken

Am 31. Oktober 2017 machten sich unsere Studenten nach der Messfeier mit Regens Dr. Menke-Peitzmeyer und Subregens Klauke in der Seminarkirche zum Gedenken an die Reformation und mit der Bitte um die Einheit der Christen auf, um am offiziellen Festgottesdienst zum Reformationstag mit dem Thema "Ein feste Burg ist unser Gott" in der Abdinghofkirche in Paderborn teilzunehmen. Mit den Feierlichkeiten am Reformationstag geht das Jubiläumsjahr zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation zu Ende, in dem durch zahlreiche Veranstaltungen das historisch bedeutsame Ereignis wieder verstärkt ins Gedächtnis gerufen wurde. An dieser Stelle sei an die Tagung "Luther und die Sakramente" in Rom und die Tagung zur "Kirchenmusik zur Zeit Luthers" erinnert, an denen unsere Studenten ebenfalls teilgenommen haben.

Priesteramtskandidaten nehmen am Festgottedienst zum Reformationsgedenken teil
 
 

An diesem 31. Oktober 2017 jährte sich zum 500. Mal der vermeintliche Thesenanschlag Martin Luthers an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg. Zwar hat dieser Thesenanschlag vom „Hammer schwingenden Luther“ niemals stattgefunden, doch haben seine 95 Thesen, die er an diesem Tag an die führenden Persönlichkeiten seiner Zeit in Briefen versandte sowie sein Bekenntnis zu ihnen auf dem Reichstag zu Worms 1521 die damalige Kirche in ihren Grundfesten erschüttert: eine Kirche, deren Theologie und Lebenspraxis einer Reform bedurfte, die sich jedoch in eine Reformation wandelte; eine Theologie, die noch sehr deutlich in einem von Martin Luther 1523 verfassten Kirchenlied zum Ausdruck kommt, welches bis heute in der evangelischen Kirche gesungen wird:
„Nun freut euch, liebe Christen g´mein und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu´r hat er´s erworben.

Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt´ mich besessen.

Mein guten Werk, die galten nicht, es war mit ihn´ verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, er war zum Gut erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen mußt ich sinken. ...“

Somit ist der Ausspruch Martin Luthers: „Hier stehe ich – ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ nachvollziehbar. Auch wenn die Worte „Hier stehe ich“ vermutlich erst später hinzu gefügt wurden, so ist es dennoch die Überzeugtheit seines Bekenntnisses, mit der Martin Luther den Kaiser und die Fürsten des Reiches aufmerken lässt.

Auf dieses Bekenntnis ging Pfr. Dr. Düker in seiner Predigt anhand der Perikope „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.“ (Mt 10,32) ein.
Die Botschaft vom Reich Gottes müsse verkündet werden. Dies sei die ureigene Aufgabe jedes Christen. Das Fundament liege hierbei auf vier Säulen auf. Zum einen gebe es eine Rechtfertigung allein durch Glauben ohne Werke des Gesetzes, die getan werden müssten: Gott nimmt mich so an, wie ich bin und spricht bei der Taufe sein „Ja“ zu mir. Zum anderen sei der Mensch frei von Schuld durch die Zusage der Vergebung durch Gott selbst. Ebenso wichtig sei die Berufung zur Nächstenliebe, so Pfarrer Düker. Die guten Werke, die der Christ also tue, seien Ausdruck der Liebe, die die Quelle allen Glaubens sei. Diese Glaubensgrundlagen müssten im Alltag der Menschen erfahrbar werden und gelebt werden. Als vierter Aspekt sei das Bekenntnis zu nennen, denn nichts anders heiße ja schließlich „Konfession“. Man gebe ein deutliches Glaubenszeugnis für und von Christus an seine Mitmenschen weiter.  

Unabdingbar bei einem solchen „Fest der Erinnerung“ ist es, sich die Geschichte der Kirchen wieder vor Augen zu führen. Ohne ein genaues Verständnis der Geschichte der Konfessionen und der jeweiligen Gegebenheiten sowie der Theologie des 16. Jahrhunderts kann ein solcher geschichtsträchtiger Tag, wie es der 31. Oktober ist, nicht verstanden werden. Auf dieser Basis ist ein gemeinsamer Dialog zwischen den Konfessionen nicht nur wünschenswert, sondern unerlässlich, beten wir als Christen doch alle zu dem einen Gott. Oder mit den Worten Martin Luthers:

„Gott geb uns allen seiner Gnade Segen, daß wir gehen auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, daß uns die Speis nicht gereue, Kyri eleison. Herr dein Heilig Geist uns nimmer laß, der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christenheit leb in Fried und Einigkeit. Kyri eleison.“
(Evangelisches Gesangbuch 214, T: Martin Luther, 1524; M: Wittenberg 1524)