Recollectio

"Guten Morgen Klasse!" ... "Guten Morgen Herr Pastor!"

Schulpastoral

Im Sommersemester 2017 wurde in der ersten Recollectio die Schulpastoral  unter dem Vortragstitel "Autorität und Charisma des Priesters - Das Handlungsfeld Schule als pastoraler Lernort" in den Blick genommen. Als Gastreferent begrüßte Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer Pastor Tobias Ebert, der nach seinem Studium in Paderborn und Rom und einem späteren Lehramtsstudium in Münster als Priester in Dortmund am Mallinckrodt-Gymnasium (www.mallinckrodt-gymnasium.de/) wirkt. Er ist einer der Priester des Erzbistums Paderborn, der nach dem 2. Staatsexamen seinen priesterlichen Dienst als Oberstudienrat an einer Schule versieht und dort in einen Alltag kommt, der für die meisten (nicht nur Priester) ungewohnt ist, obwohl alle einst die Schulbank gedrückt haben. Pastor Tobias Ebert berichtete, wie er während seiner Ausbildung nur "binnenkirchlich" ausgebildet wurde und sich somit, als er nach seinen Vikarsjahren die Stelle des Schulseelsorgers und Lehrers  in Dortmund antrat,  in eine "andere Welt" begab.

Man solle keineswegs denken, so Ebert, dass man als Priester im Schulalltag eine unerschütterliche Autorität habe, die einem durch das priesterliche Amt verliehen sei. Vielmehr komme es darauf an, dass man sich seine Autorität durch seine Kompetenz und sein Lebenszeugnis erarbeite. Hier habe er jetzt einen immerhin schon 10-jährigen Weg hinter sich, bei dem er, wie alle jungen Lehrkräfte auch, von einigen dienstälteren Kollegen unterstützt worden sei. Hier habe er erfahren, dass in dem sehr hierarchisch verfassten System "Schule" aber dennoch erfahrbar sei, was in der dogmatischen Konstitution "Lumen Gentium" des Zweiten Vatikanischen Konzils  auf die priesterliche Gemeinschaft hin formuliert wurde: "Kraft der Gemeinsamkeit der heiligen Weihe und Sendung sind die Priester alle einander in ganz enger Brüderlichkeit verbunden. Diese soll sich spontan und freudig äußern in gegenseitiger Hilfe, geistiger wie materieller, pastoraler wie persönlicher Art, in Zusammenkünften, in der Gemeinschaft des Lebens, der Arbeit und der Liebe." (LG 28)
Hierbei sei es wichtig, auf die je eigenen Charismen zu bauen, denen es sich lohne nachzuspüren. Ihm sei schnell bewusst geworden, dass er keineswegs die besseren Voraussetzungen für die Unterrichtsvermittlung als seine Kollegen gehabt hätte, besonders in seinem zweiten Unterrichtsfach Geschichte. Sehr schnell sei ihm klar geworden, dass es auch "Laien" gebe, die gute Katechesen halten können, die die Unterrichtsmaterie eben nicht nur oberflächlich und "laienhaft" verkünden würden. Vielmehr komme es auf die Bereitschaft zum Dazu-Lernen und das Wachstum an den gestellten Aufgaben an. Auch als Lehrer müsse man die Inhalte des Faches ständig erweitern und neu durchdenken, um so wenigstens einen Wissensvorsprung von 2 Stunden vor manchen Oberstufenkursen zu haben. Schule sei eben nicht nur ein Lernort für die Schüler, sondern ebenso für Lehrer und Seelsorger.

Vortrag Recollectio.Schulpastoral
 
 

Nach zehn Jahren im Schuldienst sei es für ihn, so Pastor Ebert, eine Bereicherung, mit erleben zu dürfen, wie die Schülerinnen und Schüler, die er von Kindertagen an kenne, einen Wachstumsprozess vollzögen: von der Sexta bis zum Abitur! Natürlich leide man unter ständig neuen Curricula aus Düsseldorf und unter Klausurbergen, aber freue sich umso mehr mit den Abiturienten, die schließlich ihren Abschluss feierten.

Pastor Ebert ist sehr dankbar dafür, dass er seitens der Bistumsleitung die Möglichkeit erhalten habe, als Lehrer und Seelsorger an einer Schule tätig zu sein. Auch wenn 75% seiner Arbeit aus Unterrichten bestehen, so sei es ihm dennoch möglich, gut seelsorglich - und zwar überkonfessionell - zu arbeiten. Er habe zwar einen "weltlichen" Chef in der Person des Schuldirektors, leide dafür aber nicht unter kontrollsüchtigen Pfarrern, die alles nach ihrem Gutdünken launisch entscheiden, noch unter den Alltag bestimmenden Verwaltungsakten, die zu seinem Glück meist vom Schulleiter übernommen würden. Die Kraft, die ihm daher bliebe, könne er für den Dienst an den Menschen einsetzen. Es komme nämlich darauf an, ob man inhaltlich etwas zu sagen habe und nicht. ob man qua Amt etwas autoritativ zu sagen haben wolle!

Viele unserer Studenten fühlten sich durch Vortrag von Pastor an ihre eigene Schulzeit erinnert oder aber an das Schulpraktikum, das sie im Rahmen ihrer Ausbildung am Priesterseminar absolvierten. Nirgendwo sonst bekommt man ein schnelleres Feedback zum eigenen Auftreten und dem, was man sagt bzw. verkündigt, als von Kindern und Jugendlichen in der Schule.


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