Recollectio am 24./25. Juni

"Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit!"
Ps 113

Sr. Raphaela Brüggenthies (OSB) spricht in ihrem Recollectio-Vortrag über den Gottesnamen und in welchem Bezug er zu der Benediktsregel steht.

Die "Sancta Regula" des Hl. Benedikts

Bei der zweiten Recollectio des Sommersemesters 2017, einem geistlichen Wochenende, begrüßte die Hauskommunität des Priesterseminares Sr. Raphaela Brüggenthies (OSB) in ihrer Mitte. Sr. Raphaela, die zu dem Konvent der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, Eibingen, die zwischen Mainz und Koblenz liegt, gehört, verdeutlichte in ihrem lebendigen Vortrag, den sie über den Namen Gottes hielt,  wie erfüllend es sein kann, nach der regula benedicti zu leben, die mehr ist als nur das oft zitierte "Ora et Labora" ("Bete und Arbeite").

Einige Impressionen der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard:

Oft verwenden wir den Namen Gottes in unserem Alltag unbedacht, so Sr. Raphaela, aber wie fruchtbringend kann es sein, zu ergründen, welche Bedeutung der Name Gottes für die eigene Berufung hat! Dadurch, dass Gott sich im brennenden Dornbusch geoffenbart hat (Ex 3,2ff.), ist klar: ER wendet sich den Menschen zu. Gott nennt sich selbst der "Ich-bin-da". Dadurch, dass Gott sich einen Namen gegeben hat, ermöglicht er es uns, eine Beziehung zu ihm aufzubauen und in dieser Beziehung im Namen Gottes zu lieben, zu leben und zu arbeiten. Der Hl. Benedikt von Nursia ruft im Prolog seiner Ordensregel dazu auf, das Ohr des Herzens Gott zuzuwenden. Auch wenn die überraschende Gegenwart Gottes für Angst sorgen kann, so gilt doch die Zusage Gottes, die beim Propheten Jesaja überliefert ist: "Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott." (Jes 41,10) Die Menschen können also ihre Herzen stets Gott zuwenden, denn Gott ist auch immer bei ihnen. Diese Gegenwart Gottes wird besonders im Buch Exodus spürbar, in dem berichtet wird, wie Gott Israel, sein auserwähltes Volk, aus Ägypten heraus führt. Das Buch Exodus beginnt im Hebräischen mit dem Abschnitt שמות (šemōt) / "Schemot", was "Namen" bedeutet. So wie Israel JHWH nachfolgte, so ruft auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, uns heute in seine Nachfolge. Da Jesus nicht nur wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch war, fällt es uns leichter, ihm zu folgen. Doch weiß Gott um unsere Schwäche: "Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht; denn meine Wege kennen sie nicht." So heißt es im Psalm 95, der täglich im Kloster von Eibingen gebetet wird. Trotz dieser menschlichen Schwächen ist es für jeden Berufenen wichtig, immer wieder sein "Herr, sieh, hier bin ich", also sein "Adsum" zu sprechen und sich in den Dienst Gottes zu stellen. Dieses "Adsum" zu sprechen - das wird für jeden Berufenen vor der Priesterweihe anstehen: seine Hingabe an Christus als Antwort auf sein Rufen: im Vertrauen darauf, dass Er sich mir zutraut. So kann der Vers aus Psalm 124: "Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat" Wirklichkeit werden.

 
 

Am Sonntagmorgen stand Sr. Raphaela der Hausgemeinschaft Rede und Antwort bei einer kurzen Einführung in die Benediktsregel. Unsere Studenten erfuhren, wie der Alltag im Kloster unter dem Vorzeichen einer solchen Regel abläuft, einer Regel, die über Jahrhunderte das Ordensleben prägte und bis heute prägt, ist sie doch die Vorlage fast aller späteren Ordensregeln, die jedoch ihre je eigenen Schwerpunkte und Ergänzungen setzen.

Die "Regula Benedicti" ist nach der Antike, in einer Zeit des Umbruchs, durch Benedikt von Nursia verfasst worden und wollte den Menschen im alltäglichen Leben Halt geben. Benedikt setzte dabei seine Idealvorstellungen in einen Bezug zur Wirklichkeit und damit zum Alltag seiner Mönchsgemeinschaft. So beispielsweise beim Genuss des Weines, wie Sr. Raphaela mit einem Augenzwinkern berichtete: Der Genuss des Weines solle im Kloster in Maßen geschehen, und es gebe auch keinen Anspruch auf Wein, sollte das Kloster in einer Region beheimatet sein, in der die Trauben keinen fruchtbaren Ertrag brächten. Besonders ist hervorzuheben, dass diejenigen, die keinen Wein genössen,  später dafür Vergeltung erfahren würden.

Dennoch ist einer der Hauptarbeitsbereiche der Abtei Eibingen der 8 Hektar große Weinberg, in dem einige der 45 Schwestern, die zwischen 33 und 95 Jahre alt sind, arbeiten.

Von Beginn an zeichnet sich das benediktinische Leben dadurch aus, dass jeder mehr auf das Wohl des/r anderen achtet als auf das eigene, aber im Umkehrschluss auch sicher sein kann, dass die anderen auf ihn/sie achten. Solch ein Leben gilt es einzuüben und dabei zu prüfen, ob es der eigene Berufungsweg sein kann, sodass erst nach drei Jahren die zeitliche Profess und nach abermals drei weiteren Jahren die ewige Profess abzulegen ist.

Mit der Profess legen die Schwestern die Gelübde über den Gehorsam, die "stabilitas loci" (Ortsgebundenheit) und die "conversatio morum" (ein dem Kloster entsprechendes sittliches Leben) ab. Das Klosterleben zeige einem schon manchmal die eigenen Grenzen auf, sodass der Abt bzw. die Äbtissin den Kandidaten bzw. die Kandidatin im Hinblick auf die Frage, ob er/sie wirklich ein Gottsuchende/r ist oder nicht doch vielleicht etwas anderes oder sich selbst sucht, prüfen muss. Ähnliches gilt für die Frage nach dem Eifer für den Gottesdienst, die Fähigkeit zum Gehorsam und das Ertragen der eigenen Grenzen und derjenigen der Mitbrüder/-Schwestern.

Das Kloster bleibe, so Sr. Raphaela, stets eine Werkstatt oder eine Schule, in der das Leben mit Gott trainiert werde. Kraft erhalte man jedoch dadurch, dass man sich bewusst werde, das zu sein, was der eigene Name besage, also bei den Benediktinern, ein "Gesegneter": So kann man selbst Segen empfangen und auch zugleich für andere Segen sein.


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