Recollectio

Seelsorge von Deutschland bis in die Wüste

Militärseelsorge

Die erste Recollectio im Wintersemester 2016 fand vom 22. bis 23. Oktober unter dem Thema der Militärseelsorge statt. Gastreferent dieses Wochenendes war Militärseelsorger Dr. Schrage aus dem Bistum Osnabrück, der ohnehin zu diesem Zeitraum in Paderborn zu Besuch war, um an der "Gesamtkonferenz der katholischen Militärseelsorge 2016" teilzunehmen, welche von Montag bis Freitag in der Paderstadt tagte.

Mit der Militärseelsorge widmete sich die Hausgemeinschaft einem pastoralen Feld aus dem Bereich der Kategorialseelsorge, was auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich für ein spirituelles Besinnungswochenende war, das im Schweigen verbracht wurde, auf den zweiten Blick jedoch ein enormes Potenzial zur Selbstreflexion des eigenen Mensch- und Priesterbildes bot.

Einleitend erörterte Dr. Schrage einige Rahmendaten der Militärseelsorge: 50% der Zeitsoldaten ist konfessionslos. Bei den Berufssoldaten verhält es sich etwas anders. Bei ihnen sind jeweils ein Drittel katholisch oder evangelisch, während lediglich noch ein Drittel konfessionslos ist. Jedoch gibt es für alle Soldatinnen und Soldaten die Militärseelsorge. Die Militärseelsorger, die konfessionsübergreifend arbeiten, sind dabei in einer Doppelrolle: Zum Einen wird die Militärseelsorge vom Staat ausdrücklich gewünscht und unterstützt, zum Anderen obliegt die inhaltliche Gestaltung der Seelsorge den Kirchen.

Zwei Hauptaspekte prägen die Seelsorge im Bereich des Militärs:

Der lebenskundliche Unterricht fördert die Sensibilität der Soldaten in sozialethischen Fragen und bietet dabei einen Raum des Vertrauens, der ermöglicht wird, da die Militärseelsorger zwar Teil der Bundeswehr, jedoch nicht unmittelbar in den hierarchischen Corpus der Organisation eingebunden sind. Bei diesem Unterricht findet häufig der erste persönliche Kontakt (face-time) statt. Ansprechbarkeit und Präsenz vor Ort sind es, die eine fruchtbare, weitergehende Seelsorge erst ermöglichen.

Als eine vertiefende Seelsorge sind an dieser Stelle Exerzitien und Seelsorgegespräche, sowie der gesamte Diakoniebereich zu nennen.

Mit seinem abwechslungsreichen Vortragsstil gelang es Dr. Schrage, die Studierenden mit auf eine gedankliche Reise vom Kasernenhof bis hin in die Wüste zu nehmen. Er betonte hierbei deutlich, dass jede Seelsorge, nicht nur die Militärseelsorge, "ad extra", also aus der Kirche heraus, wirksam werden muss - in jeden Bereich der Gesellschaft hinein.

Der Seelsorger müsse hierbei genau darauf achten, dass er die Spannung zwischen seiner eigenen Identität und der Relevanz seines Tuns, also den an ihn gestellten Erwartungen, in einem guten Ausgleich begegne. Dabei seien zwei "Straßengräben" unbedingt zu vermeiden: Die Anpassung um jeden Preis, aber auch die rigorose Abgrenzung von der Umwelt.

Militärpfarrer Dr. Schrage  ermutigte hierbei die Studenten, eine Pastoral im Blick zu behalten, die nicht exklusiv agiere, sondern eine einladende Transparenz verfolge. Er unterstrich dieses Anliegen mit einem Bild aus der Wüste: Es sei wichtig von den "Wadis", den unterirdischen Wasserquellen in der Wüste, aus auch Kontakte im weiteren Umland zu suchen. Das reine Verweilen an der Wasserquelle führe zu Vereinsamung, das permanente Unterwegssein zur Verdurstung.

Ein immerwährendes Wiederkehren an die spirituellen Quellen der eigenen Gottesbeziehung lasse den Glauben zu einer blühenden Landschaft werden.


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