Mein Evangelium - was tut das mit mir?

Recollectio am 20./21. Januar 2018

Der "Tag der Ewigen Anbetung" fand im Priesterseminar im Rahmen des Recollectio-Wochendes statt!

Unter dem Titel „Mein Evangelium – was tut das mit mir?“ fand am 20. und 21. Januar die zweite Recollectio des Wintersemesters 2017/18 statt. Den Vortrag hierzu am Samstagnachmittag hielt, wie schon in den Vorjahren zur Recollectio im Januar üblich, auch diesmal unser Erzbischof Hans-Josef Becker. Für die Zeit der Stille und des Gebetes gab er der Hausgemeinschaft zahlreiche geistliche Impulse - ausgehend von seinem Wahlspruch „Auf dein Wort hin“ (Lk 5,5) - mit auf den Weg. Dabei reflektierte er seine persönlichen Erfahrungen mit diesem Evangelium, das ihn schon seit seiner Primiz 1977, bei seiner Bischofsweihe im Jahre 2000 und besonders in den fast fünfzehn Jahren als Erzbischof von Paderborn  seit 2003 stets begleitet habe.

Der Vortrag von Erzbischof Hans-Josef Becker war geprägt durch seinen Wahlspruch "Auf dein Wort hin, [Herr]" (vgl. Lk 5,5) - "in verbo autem tuo"
Der Vortrag von Erzbischof Hans-Josef Becker war geprägt durch seinen Wahlspruch "Auf dein Wort hin, [Herr]" (vgl. Lk 5,5) - "in verbo autem tuo"

Der Leitspruch „Auf dein Wort hin, Herr“, mit dem Petrus bei seiner Berufung in der Erzählung vom wunderbaren Fischfang sein Vertrauen auf Jesus zum Ausdruck bringt, kann für uns heute zwei Dimensionen haben, wie Erzbischof Becker erklärte: zunächst die des Hörens auf Gottes Wort – Nachfolge und Glaube müssen aus dieser Motivation heraus, eben auf das Wort Gottes hin, geschehen. Nur so sind sie mehr als nur Gehorsam, und nur so wird die Liebe zu Christus im eigenen Leben wach, denn: Gott will die Menschen zuerst mit seinem Wort vertraut machen; er erklärt und lockt, anstatt zu befehlen. Nur wer die Kraft des Gotteswortes gespürt hat, so der Erzbischof, empfängt die Gnade des Glaubens.
Als zweiter Aspekt zum Hören kommt hinzu, Gott ausreden zu lassen, damit der Glaube nicht im Kopf bleibt, sondern ins Herz wandert. Durch das Studium lässt sich zwar Wissen von Gott aneignen, doch ein erfülltes Leben kann allein auf Grundlage der Ratio, der Vernunft, noch nicht entstehen. Auch wenn der Weg zu Gott mitunter weit und schmerzhaft ist, ist es wichtig, das Gespräch mit ihm suchen. Man darf nie das Gefühl zulassen, schon „fertig“ zu sein: „Gott hat noch lange nicht ausgeredet“, wie der Erzbischof betonte. Dieser "Grund-Satz" gelte (im Anschluss an das Gleichnis vom Senfkorn) auch für die Seelsorge: „Unser ist die Aussaat, die Ernte ist des Herrn.“

„Man muss Gott ausreden lassen!"
Hans-Josef Becker

Der Tag des Auftakts der Recollectio war in diesem Jahr jedoch nicht nur vom Vortrag des Erzbischofs, sondern auch durch das Gebet vor dem Allerheiligsten geprägt, da der jährliche Tag der Ewigen Anbetung (20. Januar) im Paderborner Priesterseminar diesmal mit dem Recollectio-Samstag zusammenfiel. Nach der Messfeier am Mittag in der Konviktskirche mit anschließender Aussetzung bestand so bis zur Komplet am späten Abend, die mit dem sakramentalen Segen schloss, den ganzen Tag über Gelegenheit, in der stillen Anbetung die eigenen Anliegen, Bitten und Gedanken vor den Herrn zu tragen.
Abgeschlossen wurde die Recollectio am Sonntagvormittag mit einem Hochamt in der Seminarkirche, das Erzbischof Becker mit unserer Hausgemeinschaft feierte. Dabei wies er in seiner Predigt, ausgehend vom Sonntagsevangelium (Mk 1,14-20) auf die verschiedenen Dimensionen der Umkehr als Kern der Verkündigung Jesu hin; er rief dazu auf, einen ehrlichen und authentischen Weg der stets neuen Zuwendung zum Herrn zu gehen und sich nicht bei unrealistischen Vorsätzen aufzuhalten. Die Umkehr zu Gott sei dabei stets mit fortschreitender eigener Selbsterkenntnis verbunden.

 
 

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