Exerzitien

Zeiten der Betrachtung und des Gebets


Das Wort „Exerzitien“ stammt aus der lateinischen Sprache, nämlich von „exercitia spiritualia“ und bezeichnet folglich geistliche Übungen. Dabei handelt es sich nicht um das normale geistliche Leben, also die täglichen Gebete des Einzelnen, sondern um Zeiten, in welchen sich Einzelne oder auch Gruppen intensiv und mehr als sonst dem Gebet, der Betrachtung und der Meditation widmen. 

Bereits das Mittelalter, in der Tradition der monastischen Ausdrucksweise, besonders des Johannes Cassianus (360-435), fasst unter dem Begriff „Exerzitien“ geistliche Übungen zusammen, welche in Einsamkeit und Stille eine Einübung in die Glaubensgeheimnisse durch betrachtendes Gebet erstreben. 

Die klassische Form der Exerzitien sind jedoch die des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556). Die ignatianischen Exerzitien zeichnen sich durch folgende Dinge aus: 

1. sind sie Übungen des Einzelnen unter Anleitung eines Exerzitienmeisters, 

2. geschehen sie einzeln, in Abgeschiedenheit und Stille und umfassen täglich vier bis fünf Meditationsstunden, (über einen Zeitraum von ca. vier Wochen), 

3. folgen sie einem genau durchdachten Zeitplan. Es gibt jedoch auch Exerzitien ignatianischer Prägung, die wesentlich kürzer sind als die oben genannten vier Wochen. 

Neben den ignatianischen Exerzitien gibt es bspw. benediktinische Exerzitien in deren Mittelpunkt das „wiederkäuende Betrachten“ geistlicher Schriften, vor allem der Bibel steht, sowie das gemeinsame Stundengebet und das Einüben des Schweigens. Daneben gibt es Exerzitien nach Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, in deren Zentrum das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit steht. Mit den genannten Arten ist der reiche Schatz der Kirche an Exerzitien noch nicht erschöpft.

Für die Priesteramtskandidaten sind jedes Jahr Exerzitien vorgesehen, die in der Regel kursweise stattfinden, durch Einzelgespräche mit dem Spiritual und eine weitere kompetente Person begleitet werden.

Der Einstieg in das Studium wird durch ca. fünfwöchige Exerzitien im Alltag begleitet. Die Studierenden des ersten Jahres treffen sich einmal wöchentlich am Abend zu einer Gebetszeit und erhalten dabei auch Impulse für die Woche, sodass diese durch Gebet, Betrachtung und ein Einzelgespräch mit dem Spiritual oder einen geistlichen Begleiter angereichert wird. Am Ende des zweiten Semesters, sowie nach dem siebten und neunten Semester finden Exerzitien, gemeinsam mit dem Spiritual, in einem Kloster statt, derzeit in den Benediktinerabteien Herstelle oder Marienrode bei Hildesheim. Die Exerzitien dauern fünf Tage und sind in der Regel Schweigeexerzitien, d.h. es wird, ausgenommen mit dem geistlichen Begleiter, mit niemandem gesprochen. Inhalte sind die Betrachtung der Schrift, geistlicher Texte und damit verbunden die Betrachtung des eigenen Lebens mit Blick auf die geistliche Reife sowie die Berufung zum priesterlichen Dienst. Die Studierenden des Freijahres organisieren eigenverantwortlich fünftägige Exerzitien in einem Exerzitienhaus bzw. Kloster ihrer Wahl. 

Ziel der Exerzitien ist, kurz gesagt, die Unterscheidung der Geister und damit verbunden ein Wachstum und Voranschreiten im geistliche Leben.

 
 

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