Eine lange Tradition

Interessantes aus über 230 Jahren Priesterseminar Paderborn

von Studierenden des Priesterseminars (Text) und den Typographen (Titelmontage)



Obwohl das Konzil von Trient (1545-1563) die Gründung von Seminaren verpflichtend vorschrieb, wurde das Paderborner Priesterseminar erst 1777 von Bischof Wilhelm Anton von der Asseburg gegründet.


Den materiellen Grundstock bildete eine Hinterlassenschaft der Paderborner Patrizierfamilie Harsewinkel, weshalb die neue Institution auch zunächst "Harsewinkelsches Seminarium" hieß.

Der erste Standort war das ehemalige Jesuitenkolleg mit der Kirche am Kamp, das nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 an den Ortsbischof fiel. Dieser entschied, den Universitäts- und Gymnasialbetrieb weiter laufen zu lassen, aber einen Teil der Räumlichkeiten für ein Seminar zu reservieren. Zunächst durften sich dort sechs Seminaristen nach dem Abschluss ihrer theologischen Studien auf die Priesterweihe vorbereiten.


Durch die Neuumschreibung und die damit verbundene Ausdehnung des Bistums 1821, wurde eine jährliche Zahl von 30, später 50 Seminaristen angestrebt. Der nötige Raum wurde zunächst durch den Ausbau des Kollegsdaches und 1854/55 durch einen Anbau zur Klingelgasse hin geschaffen.

Einen schweren Schlag erlitt die Priesterausbildung in der Zeit des Kulturkampfes. Das Seminar musste 1873 auf Anordnung der preußischen Regierung schließen und konnte erst 1886 wieder eröffnet werden. Nur vereinzelt konnten noch Kandidaten außerhalb Preußens ausgebildet werden. In der Folge fanden zwischen 1876 und 1881 in Paderborn keine Priesterweihen statt.

Nach Beendigung des Kulturkampfes führte der Nachholbedarf zu einem rasant steigenden Priesternachwuchs, weshalb 1902 ein neuer Südflügel an das Kollegsgebäude angebaut wurde. Dieser musste dann aber schon wenig später im 1. Weltkrieg als Lazarett genutzt werden. Ein großer Teil der Kandidaten wurde eingezogen, knapp ein Drittel der 220 Paderborner Priesterkandidaten fiel im Krieg oder wurde vermisst.


Das 1917 promulgierte kirchliche Gesetzbuch (CIC) schrieb eine verlängerte Ausbildungszeit vor. Deshalb wurde die zunächst einjährige Seminarzeit, die Bischof Konrad Martin bereits 1859 auf eineinhalb Jahre verlängert hatte, auf zwei Jahre ausgedehnt.


Das bisherige Gebäude am Kamp wurde dadurch endgültig zu klein, so dass man beschloss, im Garten des 1895 errichteten Leokonvikts ein neues Gebäude zu bauen. Trotz der Weltwirtschaftskrise gelang es, im Sommer 1929 mit dem Bau zu beginnen und ihn 1931 zu vollenden. Die Pläne dazu lieferte der Dombaumeister Kurt Matern, einen Großteil der Spenden brachte der Diözesanklerus auf.


Bei Luftangriffen im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt. Kurz nach dem letzten Luftangriff begannen die wenigen, nicht von der Wehrmacht eingezogenen Seminaristen das Verbliebene zu sichern. Der Konviktsgarten wurde zum Kartoffelfeld. Doch schon schnell wurde es nach der Ankunft der Heimkehrer eng. Im Jahr 1952 wurden 101 Männern, unter ihnen der spätere Kardinal Degenhardt, zu Priestern geweiht.


Zum Sommersemester 1952 wurde für den östlichen Teil des Bistums ein Zweigseminar auf der Huysburg eingerichtet, welches von 1973-92 als Priesterseminar des Bischöflichen Amtes bzw. des Bistums Magdeburg fungierte.


Ab Mitte der 60er Jahre nahm die Zahl der Seminaristen beständig ab und erreichte in den Jahren 1976 und 1982 mit fünf Neugeweihten einen Tiefstand. Nun wurde diskutiert, die auf dem Gebiet des alten Preußens üblich gewordene Trennung von Studienhaus (Konvikt) und Seminar aufzugeben. Die Bistumsleitung entschied sich 1971, das Seminar räumlich in den Südflügel des Leokonviktes zu verlagern, die rechtliche Selbstständigkeit aber beizubehalten.

Ab 1983 stiegen die Zahlen aber wieder stark an, so dass man 1984 wieder in das alte Gebäude einzog. Man beließ jedoch der Katholischen Fachhochschule, den von ihr seit 1971 genutzten östlichen Teil des Gebäudes.


Der vorerst letzte Umbau stammt aus dem Jahr 2000. Die Verwendung von minderwertigem Material nach dem 2. Weltkrieg sowie drei Heizungsrohrbrüche machten eine Totalsanierung des Gebäudes notwendig. Das neu eröffnete Priesterseminar möchte keine uneinnehmbare "Trutzburg" mehr sein. Vielmehr atmet das Gebäude nun durch sein einladendes Foyer, das Licht durchflutete Treppenhaus sowie die freundlich eingerichteten Zimmer, Offenheit, Freundlichkeit und Modernität.

Seit 2008 findet der Pastoralkurs in Kooperation mit den Priesterseminaren Erfurt und Fulda statt. Der erste Kurs des neuen Konzepts wurde am 08. September 2008 im Erfurter Dom mit einem Pontifikalgottesdienst eröffnet, dem der Erzbischof von Paderborn vorstand.

Insgesamt wurden in Paderborn über 5800 Männer zu Priestern ausgebildet.

 
 

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