Luftaufnahme Wewelsburg

"Priesteramtskandidaten on tour!"

Von "Herrgottsbescheißerle" und "Satansbraten" - Besuch der Wewelsburg

Gruppenfoto Wewelsburg

Mächtig und erhaben erhebt sich die Wewelsburg über die gleichnamige Ortschaft, dabei handelt es sich bei dem Gebäude aus dem 12. Jh. keineswegs um eine Burg, sondern vielmehr um ein Jagd- und Lustschloss, welches ab 1301 in den Besitz der Paderborner Fürstbischöfe überging. Am Sonntag, den 7. Mai 2017, machte sich eine Studentengruppe auf den Weg, um etwas über die Geschichte des Fürstbistums Paderborn zu erfahren. Begleitet wurden sie dabei von unseren Schwestern der Christlichen Liebe, die ihren Dienst im Priesterseminar versehen.

Die Fürstbischöfe, die ihren Sitz bekanntlich in Schloss Neuhaus hatten, welches unweit von Paderborn liegt, zogen für die Sommermonate auf die Wewelsburg um ihrem Stande gemäß zu residieren. Aus zahlreichen Funden aus dem Schlossgraben ließ sich rekonstruieren, dass die Schlossherren vornehmlich von Wild lebten und ihre Abfalle einfach aus dem Fenster warfen. Hier bekommt die Redensart "stink reich sein", ihre eigentliche Bedeutung, denn eine Kanalisation gab es noch nicht, und man roch die Wewelsburg schon von weitem. Auch wenn der Fürstbischof Theodor von Fürstenberg sehr fromm war, so geben Tagebuchaufzeichnungen seines Bruders Casper von Fürstenberg darüber Auskunft, dass um die umfängliche Jagdbeute des Fürstbischofs zu verwenden, auf einen Trick zurückgegriffen wurde, den wir von den schwäbischen Maultaschen her kennen, den "Herrgottsbescheißerle". In diesen Teigtaschen verbarg man das Fleisch, um es auch "unsichtbar" am Freitag und anderen Fasttagen zu verzehren. Die Schlossherren waren dabei meist mehr als "papp satt", denn die sogenannte "Pappe" gab es bereits zum Frühstück in Form einer Biersuppe, der Getreide zugemischt war, was die ganze Mahlzeit zu einer zähflüssigen Masse werden ließ. So war Fürstbischof Theodor keineswegs ein "Pappenheimer", der sich neben der Frühstückssuppe kein anderes Essen leisten konnte. Im Gegenteil: Der an einem Freitag geschossene Hase wurde kurzerhand in die Alme geworfen, die unweit des Schlosses fliest und als "Fisch" wieder herausgeangelt. Auch dies weiß sein Bruder Caspar in seinem Tagebuch zu berichten.

 
 
 
 

Neben diesen humoristischen Eindrücken gab es jedoch auch düstere: Die Wewelsburg, die während des 2. Weltkrieges von Heinrich Himmler als Schule für den Führer ausgebaut werden sollte, den sogenannten "Napola", war bereits zuvor für menschenverachtende Taten verwendet worden. In der Zeit der Hexenverfolgungen wurden hunderte von Frauen (und auch Männern) in der Wewelsburg verhört und gefoltert. Starben sie noch nicht beim Verhör, dann meist in den Kerkern der Wewelsburg, in denen pro Zelle etwa 20 Personen zusammengepfercht wurden und bei wenig Licht hinter 6 Meter dicken Mauern ihrem Ende entgegen sahen. Auch die Kinder von vermeintlichen Hexen, die "Satansbraten", hatten nichts zu lachen, sondern wurden nach dem Mord an ihren Eltern in Pflegefamilien untergebracht, die sie umerziehen sollten. Dies fand ein Ende, als die "Cautio Criminalis" veröffentlicht wurde, die von Friedrich Spee von Langenfeld  unter einen Pseudonym verfasst worden war.

Die sehr lebhafte Führung, mit viel Charme und Witz vorgetragen, lädt zu weiteren Besuchen der Wewelsburg ein, denn derzeit sind drei Ausstellungen zu bewundern, von der unsere Gruppe bisher nur eine besuchen konnte.

 
 

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