Die Festung Marienberg oberhalb des Mainlaufes

Von Maulaffen, Riemenschneider und dem Heiligen Kilian

Priesteramtskandidaten auf Kommunitätsfahrt nach Würzburg

Gruppenbild in der Apsis des Kiliandomes zu Würzburg mit Weihbischof Ulrich Boom
 
 

Am Samstag, den 11. November 2017, startete die Hausgemeinschaft unseres Priesterseminars in den frühen Morgenstunden die Kommunitätsfahrt dieses Semesters. Mit dem Zug ging es in die malerische fränkische Weinstadt Würzburg. Zwischen Paderborn und Würzburg besteht seit jeher eine besondere Verbindung, da der heilige Märtyrer Kilian, heute Patron des Bistums Würzburg, bereits vor Liborius Patron des Paderborner Doms war und bei uns noch immer als Conpatron des Hohen Domes verehrt wird.

In Würzburg waren wir im Priesterseminar in der Innenstadt untergebracht, wo wir bei unserer Ankunft von Regens Stefan Michelberger und einer Gruppe der Seminaristen aus Würzburg begrüßt wurden. Nach dem Bezug der Zimmer begannen wir unser Programm vor Ort mit einer gemeinschaftlichen Messfeier unserer Kommunität mit unseren Gastgebern in der Seminarkapelle. Über die Mittagszeit hatte jeder Gelegenheit, sich zu erholen oder an einer interessanten Hausführung durch das Würzburger Seminar teilzunehmen. Auch wenn Würzburg eigentlich eine Weinregion ist, so heißt die hauseigene Kneipe dennoch „Bierstuben“. Diese ist bei den regelmäßigen Gästeabenden des Priesterseminars, an denen stets über hundert Leute teilnehmen, immer gut besucht.

 
 

Am Nachmittag stand für uns eine Führung durch den Dom, die Kathedrale des Bistums Würzburg, mit Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran auf dem Programm. Imposant überragt das mächtige Westwerk, das ein wenig zurückgesetzt hinter der Fassade der Häuserzeile liegt, die Würzburger Innenstadt. Mit viel Sachwissen nahm Dompfarrer Vorndran uns mit auf eine spirituelle Reise durch den Dom und seine fast tausendjährige Geschichte. Beginnend am Portal, auf dem die Schöpfung vom „Tohuwabohu“ ausgehend bis hin zur Erschaffung von Adam und Eva dargestellt ist, führte er uns zu einer großen Menora, dem siebenarmigen Leuchter des Judentums, der im Eingangsbereich der Kirche die Beziehung zu unseren älteren Geschwistern im Glauben verdeutlicht. Hierauf folgte eine nähere Betrachtung des Taufbeckens, auf dem das Leben Jesu mit seinen Stationen bildlich dargestellt ist. Dabei lenkte der Dompfarrer unsere Aufmerksamkeit auf einige besondere Details, darunter etwa die Kreuzigung Jesu, bei der über dem Querbalken ein Engelchen und ein Teufelchen abgebildet sind. Besonders interessant waren auch die steinernen Darstellungen einzelner Bischöfe von Würzburg – so etwa von Fürstbischof Scherenberg, der trotz der damaligen Lebenserwartung von nur dreißig Jahren und Ambitionen seiner potentiellen Nachfolger sein Bischofsamt selbst als über Neunzigjähriger noch immer ausführte. Am Chorraum des Doms angekommen, betrachteten wir das Ensemble von Skulpturen bedeutender Heiliger, Seliger und anderer „Helfer“, die in Würzburg besonders verehrt werden und sich so als Abbild des himmlischen Jerusalem um den Bischofssitz gruppieren. Als einen Ort von außergewöhnlicher geistlicher Tiefe durften wir zum Abschluss die Krypta erleben. Sie ist nicht nur Grablege der Bischöfe von Würzburg, sondern beherbergt auch eine Kreuzesdarstellung, die als einer der ältesten Belege des Christentums in Franken auch auf den Kilianschrein aufgenommen wurde.

Die drei "Franken-Apostel": Kilian, Kolonat & Totnan
 
 

Dieser ist erst im letzten Jahrhundert entstanden und verwahrt heute die Reliquien des heiligen Kilian und seiner Gefährten Kolonat und Totnan im Neumünster. Auf Betreiben des früheren Paderborner Dompropstes und späteren Würzburger Bischofs Paul-Werner Scheele wurde er in Anlehnung an den Liborischrein gefertigt, wird heute jedoch anders als dieser auch an Festtagen nicht mehr bewegt, da bei einem früheren Versuch einer der Träger in Ohnmacht fiel.

 
 

Nachdem wir so einen ersten Eindruck von der Schönheit Würzburgs bekommen hatten, blieben am Spätnachmittag noch einige Stunden, um die Stadt selbst zu erkunden, ehe wir uns am Abend wieder vor dem Dom trafen – diesmal zu einer Nachtwächterführung durch die nun im Dunklen liegenden Straßen. Mit viel Humor und einer Einführung in den fränkischen Dialekt brachte uns der Nachtwächter ausgewählte Facetten der Würzburger Geschichte nahe, beispielsweise das noch heute sichtbare Wirken von Balthasar Neumann und Tilmann Riemenschneider. Letzterer ist vor allem für seine geschnitzten Altäre und verschiedene Werke nicht nur in der fränkischen Region bekannt.

 
 

Von Kälte und Regen geschwächt, begab sich unsere Hausgemeinschaft im Anschluss ins gutbürgerliche „Juliusspital“, wo neben fränkischen Spezialitäten und anderen Gerichten auch eine exzellente Weinkarte auf uns wartete. So wurde es ein langer und schöner Abend, den wir dort in gemütlicher Atmosphäre verbrachten.

Am nächsten Morgen hatten wir zum Frühstück im Priesterseminar die Freude einer besonderen Begegnung: Paul-Werner Scheele, emeritierter Bischof von Würzburg und gebürtig aus Olpe im Erzbistum Paderborn stammend, hatte sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, die Besucher aus seiner Heimatdiözese persönlich zu begrüßen. So hatten wir das Glück, viel von seinen langjährigen Erfahrungen in Franken, aber auch von der Zeit seiner Priesterausbildung in den Nachkriegsjahren zu erfahren. Er berichtete uns beispielsweise, dass in seinem Weihejahr 1952 im selben Monat gleich zwei Priesterweihen stattfanden, weil es nicht genug „Liegeplätze“ im Paderborner Dom gab, um alle Kandidaten gemeinsam zu weihen – Größenordnungen, die für uns heute kaum mehr vorstellbar sind. Ein besonderes Anliegen war es dem Bischof, auf seine Zeit als Professor in Würzburg und Paderborn zu verweisen, wo ihm besonders die Ökumene ein großes Anliegen war.
In seinem Schlusswort gab er uns mit auf den Weg, dass das Studium zwar wichtig sei, man es aber auch nicht übertreiben sollte, denn: „Das Vieh, für das man am meisten arbeitet, ist die Katze.“

 
 

Gestärkt von den Impulsen des Bischofs nahmen wir im Anschluss am Konventamt im Dom teil. Die Messe feierte Weihbischof Ulrich Boom, der die Pilgergruppe, die sich aus Paderborn auf den Weg zum Grab des heiligen Kilian gemacht hatte, zu Beginn der Messfeier herzlich begrüßte. Bevor wir den Dom wieder verließen, lud uns der Weihbischof zu einem Gruppenfoto in den Hochchor des Doms ein, sodass wir die seltene Gelegenheit bekamen, die mächtige Darstellung des wiederkommenden Christus in der Apsis und die anderen Figuren aus nächster Nähe zu betrachten.

Danach trafen wir uns wie schon am Vortag mit Dompfarrer Vorndran, der uns diesmal durch die Pfarrkirche St. Peter und Paul führte. Wie auch in vielen anderen Kirchen der Würzburger Innenstadt konnten wir hier erleben, wie sich moderne Kunst ästhetisch und mit spiritueller Tiefe in jahrhundertealte Kirchenräume integrieren lässt.

Ein ganz besonderes Kunstwerk, das man in Würzburg betrachten, bestaunen und bebeten kann, ist das Bild des Barmherzigen Jesus. Es geht auf die Visionen der hl. Schwester Maria Faustyna Kowalaska zurück, die in ihrem Tagebuch niedergeschrieben sind. Dort berichtet sie im Auftrag ihres Beichtvaters von ihren Begegnungen mit Jesus, der ihr auftrug, seine Barmherzigkeit neu in Erinnerung zu rufen: "Verkünde, dass Barmherzigkeit die größte Eigenschaft Gottes ist. Alle Werke meiner Hände sind durch Barmherzigkeit gekrönt." (Tagebuch 301)

Im außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit beauftragte die Kirchenstiftung St. Peter und Paul in Würzburg den Leipziger Künstler Michael Triegel, eine neue Interpretation des Bildes des Barmherzigen Jesus zu schaffen:

"Barmherziger Jesus", Michael Triegel in der St. Peter und Paul Kirche in Würzburg
 
 

 
 
 
 

Im Anschluss an die Führung durch die Kirche St. Peter und Paul mit den Ausführungen von Dr. Vorndran nutzten unsere Pristeramtskandidaten die Gelegenheit, weitere Facetten Würzburgs kennen zu lernen. So wurde beispielsweise das Maulaffenbäck im Herzen der Stadt besucht, eine Traditionswirtschaft, dessen Markenzeichen der Maulaffe ist, der an jedem Glas hängt.

Zur Geschichte der Weinstube heißt es:

"In Würzburg da isses scho lang Tradition,

da geht der Opa, der Vater, der Sohn,

oft a die Tante mit Wurscht und Weck

e mal im Monat zum "Maulaffenbäck".

Da isses lustig, da isses schö.

Da kannst noch vor Lache die Aache verdreh.

Nit, des mer denkt, da müsst wer sei!

Näs´ kann jeder Maulaff nei.

Ob von der Bahn oder Gerichtsvollzieher,

sogar e Steuerhinterzieher,

ob e Friesuer, ob Straßenkehrer,

oft e mal e Englischlehrer.

Ob Zahnarzt, der vielleicht noch Dokter.

S´is scheißegal, am Stammstisch hockt er.

Ener, der e Anwalt is,

e Oma mit em Kunstgebiss,

Rentner aus der Traubegass´

ham am Schoppefetze Spass.

Rhönradfahrer, Zungebläcker,

aus der Semmelstraß a Bäcker.

Jogger, Gärtner, Pisteläufer,

Hemde-, Schlappe-, Hutverkäufer,

Dienstmädli und Arbeitslose,

Minnesänger und Matrose.

Schäferhünd, a Spitz und Setter,

alle Arten Hundsverrecker.

Antichriste und a Fromme -

jeder is da gleich willkomme !!!


I sag´s doch, es kann jeder nei!

Er muss halt nur a MAULAFF sei!"

Auch unser letzter Programmpunkt bot uns eine aufschlussreiche Begegnung mit moderner Kunst im kirchlichen Kontext: Am Nachmittag trafen wir uns mit Domkapitular em. Dr. Jürgen Lenssen im Museum am Dom. Im Gegensatz zum üblichen Konzept diözesaner Museen bietet das Museum am Dom in Würzburg eine in dieser Form wohl einzigartige Symbiose moderner Kunst mit verschiedenen „klassischen“ Werken christlicher Kunst, wie man sie normalerweise erwarten würde. Mit Leidenschaft und auf sehr ausdrucksstarke Weise versuchte Domkapitular em. Lenssen, das Konzept dieses Museums für uns erfahrbar werden zu lassen. Einzelne Ausstellungsstücke erklärte er uns besonders ausführlich, darunter ein Gemälde des Künstlers Bernhard Heisig aus der DDR, das auf dreifache Weise die Selbstüberschätzung des Menschen reflektiert: Im Vordergrund ist der abstürzende Ikarus aus der griechischen Mythologie dargestellt, im Hintergrund eine demonstrierende Menschenmenge, die im Meer untergeht, sowie drittens der Turmbau zu Babel.

"Der Tod des Ikarus", Bernhard Heisig (1979) - Ölfarbe auf Leinwand
 
 
 
 

Nachdem wir am Spätnachmittag noch etwas Zeit hatten, selbst zum Abschluss den einen oder anderen Ort aufzusuchen, traten wir am Abend bereits unsere Rückreise an. Mit zahlreichen schönen Erinnerungen kamen wir spätabends wieder in Paderborn an. Wir danken allen, die zum Gelingen unserer Kommunitätsfahrt beigetragen haben und uns Würzburg in all seiner Schönheit erschlossen haben.


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