Priesteramtskandidaten vor dem Eifelturm

„Vive l´Europe Unie!“

Priesteramtskandidaten unterwegs nach Frankreich

Am Christi Himmelfahrts-Wochenende brach unsere Hausgemeinschaft nach Frankreich auf, um dort gemeinsam mit einer Gruppe aus Neheim unter Leitung von Pfarrer Stephan Jung den Spuren des Paderborner Priesters Franz Stocks zu folgen, dessen Seligsprechungsprozess derzeit läuft.
Früh am Morgen fuhr Busfahrer Dirk von der Leostraße ab, um zwölf Stunden später das Ziel, die Kirche Sacre Coeur auf dem Montmartre zu erreichen, in deren Schatten ein Benediktinerinnenkloster, die Unterkunft für die nächsten zwei Tage, gelegen war.

Die Kirche Sacre Coeur auf dem Montmartre
 
 

Nachdem die nähere Umgebung erkundet wurde, fiel die Gruppe müde in ihre Betten, um am nächsten Morgen mit dem Programm zu beginnen:
Auf dem Mont-Valérien wurde die Gruppe von Mitgliedern des Franz-Stock-Komitees, Sektion-Frankreich, willkommen geheißen. Imposant erstreckt sich die Mauer dieses Denkmales für die gefallenen Widerstandskämpfer Frankreichs an der Stirnseite des Platzes, der nach dem deutschen Priester Franz Stock benannt wurde. Durch das Denkmal hindurch, an der Gedenkstätte vorbei, gelangte unsere Gruppe auf die Bergkuppel. Anhand sehr emotionaler Briefe der zum Tode Verurteilten, die oftmals nicht älter als wir Studenten heute waren, brachten unsere französischen Freunde die Lebensgeschichte des Franz Stock näher, der sich der Gefangenen annahm und bis zur letzten Minute vor deren Tod an ihrer Seite war.

 
 

So heißt es in einem Abschiedsbrief des 20-jährigen Jungen Bernard Courtault vom 3. November 1943, der auf dem Place de la Concorde einen Sprengstoffanschlag auf die deutschen Truppen verübte:

Mein sehr lieber Papa, dieses Mal ist es das Ende; um 8 Uhr werde ich erschossen. Habe Mut, mein lieber Papa … Der Name der Courtault erlischt mit mir. Ich habe keine Angst zu sterben, aber ich habe Sorge um Euch, die ich Euch so liebe. Ich wiederhole Dir, dass ich glücklich war während der 20 Jahre, die ich hier auf der Erde gelebt habe, und dass Du daran einen großen Anteil hast. Man soll die Vergangenheit nicht bedauern: Deine Trennung von Mama. Zweimal habe ich ein schönes Zuhause gehabt, und ich war in beiden glücklich. Ich sterbe als guter Christ. Ich bitte Euch, die heilige Kommunion zu empfangen und für meine Seele zu beten. Ich bitte Euch sehr darum, jetzt, da mein Leib vergeht. So gern hätte ich gelebt, vor allem für Euch und meine Jeanette, mein kleines Liebchen, das vielleicht Hilfe braucht, … Ich empfehle sie Cloette. Verzeih mir alle Schmerzen, die ich Euch vielleicht verursacht habe ... Ich werde lächelnd sterben mit dem Courtault-Lächeln im Mundwinkel, das ihr an mir kennt. Lebt wohl: Colette, die ich so lieb habe, … Lucette. Jeanette, meine Patentante, und Du, mein geliebter Papa, den ich zärtlich geliebt habe. Sagt mein Lebewohl all denen, die mich lieben und die ich liebe. Dein Dich liebender Sohn Bernard Noch einmal Dank Dir, mein lieber Papa für alles, was Du noch für mich versucht hast. Ich habe den Eindruck, dass man mit mir sehr streng verfahren ist, aber ich werde tapfer sterben, dessen kannst Du sicher sein. Erinnert Janot von Zeit zu Zeit an mich, ich liebe sie so sehr. Ich bin immer gut behandelt worden von den deutschen Soldaten, und einige waren wirklich Männer von Güte und einer beispielhaften Nächstenliebe, es wäre schön, solche überall zu finden. Noch einmal Danke. Lebewohl Dir und allen. Bernard
Bernard Courtault

In einer Waldlichtung auf dem Berg in einer Vertiefung fanden die Erschießungen statt, damit sie kein größeres Aufsehen erregten. Die Erschießungen, die bis zu 100 Menschenleben an einem Tag betrugen, sollten im Geheimen stattfinden, und doch gibt es heimlich gemachte Fotoaufnahmen, die das Ganze dokumentieren.

Erschießungen auf dem Mont-Valérien (heimliche Aufnahme)
 
 

Im Buch der Gedenkstätte trugen sowohl Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer für das Priesterseminar Paderborn als auch Pfarrer Stephan Jung für das Franz-Stock-Kommitee-Deutschland und die Herkunftsgemeinde Stocks, St. Johannes Baptist Neheim im Sauerland, ihre Bitten um ein friedvolles Miteinander zwischen Deutschland und Frankreich ein. Diese Art der Deutsch-Französischen Freundschaft wurde maßgeblich durch den Priester Franz Stock vorbereitet.

Im Anschluss an den Besuch des Mont-Valérien feierte unsere Gruppe gemeinsam mit den „Amis de Franz Stock“ eine „multilinguale“ Messe in der Kirche Notre Dame de la Paix. Der Messfeier stand Monseigneur Aupetit, der Bischof von Nanterre, vor. Vor der Kirche kam unsere Gruppe dann mit der französischen Gemeinde vor Ort ins Gespräch – kleinere und größere Sprachbarrieren wurden mit Händen und Füßen gemeistert.

 
 

Am Nachmittag, nachdem die Gruppe das „Institut Catholique de Paris“ besucht hatte, führte ein kleiner Spaziergang durch den „ Jardin de Luxemborug“, den „Luxemburg-Garten“, hin zur Kirche St. Jacques du Haut-Pas, in der 1948 der damalige Nuntius in Frankreich und spätere Papst Johannes XXIII., Erzbischof Angelo Roncalli, die Begräbnisfeier für Franz Stock zelebrierte. Aus politischen Gründen konnte damals leider kein Familienmitglied der Stocks an den eXequien teilnehmen, wohl aber Herr Lanz, der einer der ehemaligen „Chartrenser“, der Bewohner des Stacheldrahtseminares nahe Chartres war. Während der gesamten Frankreich-Fahrt konnte er als mittlerweile 94-jähriger Zeitzeuge sehr bewegend von den Erlebnissen des Krieges und dem gemeinsamen Leben im Stacheldrahtseminar („Séminaire des Barbelés“) unter der Leitung von Franz Stock berichten.

 
 
Plakat Franz Stock

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