Kathedrale von Chartres

Auf den Spuren von Abbé Franz Stock

Priesteramtskandidaten unterwegs nach Frankreich

„L´abbé Franz Stock, ce n´est pas un nom, c´est un programme.“ ("Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, sondern ein Programm!“)
Mgr. Angelo Roncalli - Johannes XXIII.
Gruppenbild
 
 

Am Vormittag des 27. Mai 2017 besuchte die Reisegruppe, bestehend aus der Hausgemeinschaft des Priesterseminares, der „Laudes-Gruppe“ aus Neheim, der Heimat Franz Stocks, sowie einigen Mitgliedern der Franz-Stock-Komitees Deutschland und Frankreich das Stacheldrahtseminar nahe Chartres, welches Franz Stock bis zu seiner Schließung am 5. Juni 1947 leitete. An diesem 70. Jahrestag versammelte sich die Festgemeinde in der Kapelle, die Franz Stock in einer Baracke des Gefangenenlagers eingerichtet hatte und deren Chorraum er eigenhändig ausgemalt hatte.

In der Festpredigt des Bischofs von Chartres, Mgr. Michel Pansard, wurde deutlich, dass es sich bei dem Priester Franz Stock um jemanden handelte, der selbstlos liebte und dessen Wirken aufopferungsvoll und hingebungsvoll war. Der damalige Nuntius in Frankreich und spätere Papst Johannes XXIII. fasste es einst so zusammen: „Der Priester Franz Stock, das ist kein Name, sondern ein Programm.“ Ein Programm, das uns zum Vorbild dienen kann, um ein christliches Miteinander der Nationen zu befördern, selbst in so schrecklichen Gewaltkontexten wie dem 2. Weltkrieg.

 
 

Vom Stacheldrahtseminar aus brach die Gruppe zur Grabeskirche von Franz Stock im Stadtteil Rechèvres auf. Gemeinsam beteten Franzosen und Deutsche am Grab von Franz Stock um dessen baldige Seligsprechung. In diesem Gebet heißt es:

Herr, unser Gott, wir danken Dir für Deinen Diener, den Priester Franz Stock, den Du berufen hast, zwei durch den Krieg verfeindete Völker zueinander zu führen. Als Apostel der Barmherzigkeit und Bote Deines Friedens brachte er den bedrängten und verzweifelten Menschen Trost und Licht in der Finsternis von Hass und Gewalt. Durch seinen Dienst als Verkünder der Hoffnung und durch sein Zeugnis der Menschlichkeit war Franz Stock ein unermüdlicher Baumeister der Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen. Herr, wir bitten Dich voll Vertrauen: Lass das Beispiel seines Lebens im Bewusstsein unserer beiden Völker immer gegenwärtig bleiben, damit wir so zum Frieden und zur Einheit Europas beitragen können. Begleite uns und die Verantwortlichen unserer Kirche in allen Bemühungen, Deinen Diener Franz Stock als Apostel der Barmherzigkeit und Bote Deines Friedens zur Ehre der Altäre zu erheben, damit das Licht seines Glaubenszeugnisses unter uns leuchtet und zur Kraftquelle für viele Menschen werden kann. Darum bitten wir Dich durch Deinen Sohn Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.
Erzbischof Hans Josef Becker, Paderborn

Im Anschluss daran tauschten sich die Anwesenden unter Leitung des eigens angereisten Weihbischofs von Paris, Mgr. Eric de Moulins-Beaufort, über die Impulse der Abschiedsrede von Franz Stock anlässlich der Schließung des Seminares hinter Stacheldraht aus und stellten dabei die Aktualität der Gedanken Stocks - besonders für die Priesteramtskandidaten heutiger Zeit – heraus.
Den Abend nutzen einige der Studenten, bei sommerlichen Temperaturen Chartres weiter kennen zu lernen; es bestand jedoch auch die Möglichkeit, ein brillantes Konzert des französischen Armee-Chores zu besuchen, das im Stacheldrahtseminar stattfand.

Bevor am Sonntag der Rückweg in Richtung Paderborn angetreten wurde, erlebte die Hausgemeinschaft bei einer grandiosen Führung durch die Kathedrale von Chartres das Farbenspiel der Fenster, die das Sonnenlicht in einer großen Farbfacette auf die kunstvoll bildhauerisch gearbeiteten gotischen Steine im Innern der Kathedrale warfen.

 
 
 
 

Den feierlichen Abschluss bildete die Festmesse, die die Priester der Kathedralpfarrei gemeinsam mit den Paderbornern feierten. Mit großer Herzlichkeit wurde unsere Gruppe auf den Heimweg entlassen, und man verabschiedete sich mit einem „Au revoir“ bzw. Auf Wiedersehen“, denn eines ist klar geworden: Ein Wiedersehen wird es bestimmt bald geben!

Gruppenbild vor der Kathedrale in Chartres

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