Bei der Stadtführung

Zu Gast in der Stadt der Grachten

Priesteramtskandidaten auf Kommunitätsfahrt in den Niederlanden

Amsterdam
 
 

Der erste Teil der Kommunitätsfahrt in die Niederlande führte unsere Hausgemeinschaft am 12. Mai nach Amsterdam, das etwas weniger als eine Stunde Fahrtzeit von Den Haag entfernt liegt. Damit umfasste das Programm der Fahrt also die beiden wichtigsten Städte der Niederlande, denn während Den Haag der Regierungssitz unseres Nachbarlandes ist, ist Amsterdam trotzdem die Hauptstadt und zugleich auch die bevölkerungsreichste Stadt des Landes.

Am Morgen brachen wir von Den Haag auf, wo wir im „Willibrordhaus“ bei den Broeders van Sint Jan sehr zentral untergebracht waren. Die Hinfahrt im Reisebus nutzte Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, um einige Informationen zur Situation und Geschichte der katholischen Kirche in den Niederlanden zu geben. So wies er darauf hin, dass das Land bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) sehr katholisch geprägt war, in den folgenden Jahren jedoch starker Druck vonseiten progressiver katholischer Kreise auf die Kirche im Land ausgeübt wurde, was weitaus problematischer verlief als in vielen anderen Staaten. Denn in der Folge kam es zu Spaltungen und einer zunehmenden Distanzierung der niederländischen Katholiken von Papst und Kirchenleitung; eine Entkirchlichung war die Folge, sodass im Jahre 2014 nur noch 23% der Einwohner katholisch waren, wobei der Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher bei ihnen nur ca. 1% betrug. Innerhalb der Niederlande gilt Amsterdam wiederum als besonders säkularisiert und atheistisch.

Für uns bestand in Amsterdam nach der Ankunft zunächst die Möglichkeit, die Stadt eigenständig zu erkunden. Gegen Mittag folgte dann ein gemeinsamer Besuch im Reichsmuseum, einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt: Der riesige palastartige Bau beherbergt zahllose Ausstellungsstücke und Gemälde aus der Geschichte der Niederlande. Bei der Führung durch die Räumlichkeiten konnte natürlich nur ein kleiner Ausschnitt berücksichtigt werden. Der Schwerpunkt lag dabei – den Interessen der Seminaristen entsprechend – auf christlicher Kunst vom Mittelalter bis zur Renaissance sowie selbstverständlich auf den weltberühmten Meisterwerken Rembrandts, allen voran „Die Nachtwache“, „Das Milchmädchen“ und „Isaak und Rebekka“.

 
 

Das sonnige Wetter lud dazu ein, den Nachmittag zu weiteren Erkundungen des am verlängerten Wochenende zwar überlaufenen, aber dennoch idyllischen Stadtzentrums zu nutzen und einen Mittagsimbiss einzunehmen; diejenigen, die die Führung im Reichsmuseum besonders interessiert hatte (oder denen es draußen zu warm war) nutzten die Zeit, sich noch andere Ausstellungen des Museums anzusehen. Weiter ging es dann am Spätnachmittag mit einer Stadtführung, die am Nationalmonument begann. Dieses wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Antwort auf den deutschen Nationalsozialismus errichtet und befindet sich am Damplatz, dem großen, zentralen Platz Amsterdams, der von ähnlicher Bedeutung ist wie in Berlin das Brandenburger Tor. Hier befindet sich auch der Königspalast – allerdings wird dieser nur zu repräsentativen Zwecken wie Hochzeiten als solcher genutzt, da das Königshaus in Den Haag residiert. Wie alle Bauten Amsterdams wurde auch er auf Eichenpfählen errichtet. Noch bekannter als für seine geschichtsträchtigen Bauwerke dürfte Amsterdam jedoch für seine Grachten sein: Hierbei handelt es sich um Kanäle, die sich halbkreisförmig um den Stadtkern herum nach außen hin erstrecken. Wie uns unsere Stadtführerin erklärte, wurde beim Ausbau der heutigen historischen Innenstadt jeweils um den äußersten Teil ein solcher Kanal angelegt. Dies ermöglichte auch die Fortbewegung zu Wasser – ein Vorteil, der heute noch von Bedeutung ist, wie wir an den vielen Booten ablesen konnten, auf denen vor allem in den Abendstunden Touristen wie Einheimische zwischen den malerischen Häusern der Stadt entlangfahren.

 
 

Da unsere Hausgemeinschaft an diesem Abend jedoch nicht bequem zu Wasser, sondern zu Fuß unterwegs war, kam das gemütliche Abendessen im Anschluss an die Stadtführung gerade recht. Nach einem ereignisreichen Tag bestand nun im Restaurant „Haesje Claes“ mit seiner holländischen Küche die Möglichkeit, sich auch mit den kulinarischen Spezialitäten des Landes vertraut zu machen, wobei Käse und Fisch nur zu den bekanntesten Beispielen hierfür gehören.
Auch wenn am Abend bereits die Rückfahrt nach Den Haag anstand und uns somit bloß ein Tag in Amsterdam blieb, reichte die Zeit doch aus, um einen guten Eindruck von der Hauptstadt unseres Nachbarlandes zu bekommen und Lust auf ein Wiederkommen zu machen.


Hier geht´s zum Katholikentag in Münster und nach Den Haag!


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