Ut unum sint -
Damit sie eins seien

Für unsere Hausgemeinschaft standen am 15. November 2017 gleich zwei ganz verschiedene Begegnungen mit nichtkatholischen Christen auf dem Programm, denn: in unserer Zeit zunehmenden ökumenischen Strebens muss es gerade für ein Priesterseminar als Ausbildungsstätte des künftigen pastoralen Personals besonderes Anliegen sein, Wege zu einem stärkeren Miteinander zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen zu beschreiten. „Ut unum sint“ – „Damit sie eins seien“, so lautet das Leitwort für das gemeinsame ökumenische Bestreben.

Abendessen mit dem Studienkolleg St. Irenäus
 
 

Zuerst durfte die Hausgemeinschaft am Nachmittag mit Pfarrer Martin Heider (Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen) und Pfarrer Felix Klemme (Evangelischer Kirchenkreis Paderborn) zwei Gäste begrüßen, die uns im Plenum unter dem Leitwort „Motivation und Selbstverständnis eines evangelischen Pfarrers im Jahr des Reformationsjubliäums“ zu verschiedenen Aspekten Auskunft gaben. Dabei ging es zunächst um die Wege und Biographien, mit denen die beiden zu ihrem Beruf gefunden haben, und die Frage, inwieweit sich auch aus protestantischer Perspektive der Gedanke einer persönlichen Berufung durch Jesus Christus ergibt, der für den katholischen Priester selbstverständlich sein sollte. Hiermit verbunden war auch eine Darstellung der Ausbildungssituation des evangelischen Pfarrers, die sich etwa dadurch maßgeblich von der katholischen unterscheidet, dass es normalerweise keine dem Priesterseminar vergleichbare Ausbildungsinstanz gibt. Doch auch die Gliederung in einzelne Landeskirchen sowie die Unterschiede zwischen lutherischem und reformiertem Bekenntnis, die schon eine innerevangelische Verständigung nicht immer leicht machen, haben unsere Gäste anschaulich erklärt. Die vielen Nachfragen im Gespräch zwischen der Hausgemeinschaft und den beiden Pfarrern haben das Interesse der Seminaristen an einem stärkeren Kennenlernen des Gegenübers sowie die einander entgegengebrachte Wertschätzung verdeutlicht. So bleibt auch nach dem Ende des Gedenkjahres zur Reformation die Hoffnung auf ein immer konsequenteres Voranschreiten auf dem gemeinsamen Weg des Glaubens.

Abendgebet mit dem Studienkolleg St. Irenäus
 
 

Den zweiten Teil des ökumenischen Tages bildete ein abendliches Treffen mit der Orthodoxie, genauer gesagt mit den Stipendiaten des Studienkollegs St. Irenäus. Dr. Johannes Oeldemann, seit 2013 Leiter des Studienkollegs, stellte im Laufe des Abends dessen Geschichte und Konzept kurz vor: Ziel des Projektes ist es, Theologen aus den Ostkirchen das Kennenlernen der deutschen Sprache und Kultur zu ermöglichen, damit sie sich durch die gewonnenen Erfahrungen für ein intensiveres Miteinander zwischen ihrer jeweiligen orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche engagieren können. Ihre Zeit in Deutschland verbringen sie in einer Wohngemeinschaft, die seit diesem Jahr im Leokonvikt, also „unter einem Dach“ mit dem benachbarten Priesterseminar, untergebracht ist. Betreut wird das Studienkolleg vom in Paderborn ansässigen Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik.

Zu Beginn fand in der Seminarkirche ein kurzes Abendgebet mit den Gästen aus dem „Irenäum“ statt, das Spiritual Christian Städter vorbereitet hatte. Durch seine Mitwirkung beim Morgengebet im Studienkolleg war er den Stipendiaten bereits bestens bekannt. Im Anschluss begrüßte Regens Menke-Peitzmeyer die Gäste im Foyer des Priesterseminars, ehe ein gemütliches Abendessen Gelegenheit zu Kennenlernen und Austausch bot. Eine kurze und unterhaltsame Vorstellungsrunde sorgte dafür, dass am Ende wirklich jeder jedes Gesicht zuordnen konnte. Der Regens nutzte außerdem die Gelegenheit, noch einige Informationen zum Priesterseminar zu geben und der junge Generation Mut zuzusprechen, nach fast tausend Jahren der Kirchenspaltung immer weiter an der Überwindung des Trennenden mitzuwirken. Michael Stiehler richtete als Senior stellvertretend für die Studenten das Wort an die Stipendiaten und lud sie bei dieser Gelegenheit im Auftrag des Nikolaus zur traditionellen Nikolausfeier im Priesterseminar Anfang Dezember ein.
Schließlich bekamen die Gäste bei einer Hausführung noch einen Einblick in die Wohnsituation im Priesterseminar, bevor diese den Seminaristen ihre Räumlichkeiten im Nachbargebäude zeigten. Dort klang der Abend in der Kapelle des Studienkollegs mit einem ökumenischen Gebet aus, das einige der Stipendiaten mit liturgischen Gesängen in ihrer Muttersprache bereicherten.
Bereicherung – genau das ist das Stichwort, wenn es um das ökumenische Miteinander mit den evangelischen wie mit den orthodoxen Brüdern und Schwestern geht, wie an diesem Tag deutlich wurde.