Kirchenmusik zur Zeit des Reformators Martin Luther

Priesteramtskandidaten besuchen eine musikalische Tagung des Kirchenmusikreferates

"So vnser Her Gott in diesem leben – in das scheisshaus (Welt) – solche edle gaben (Musik) gegeben hat, was wirdt in jhenem leben geschehen, ubi omnia perfectissima et iucundissima? (wo alles äußerst vollendet und freundlich / liebenswürdig sein wird)."
Martin Luther. Tischrede am 17. Dezember 1538 im Hause Luther anlässlich eines Abends an dem Motetten gesungen wurden.
Gruppenbild-Kirchenmusik
 
 

Mehr als nur Lieder, sondern Kunst war das Thema der Tagung über "Luther und die Kirchenmusik" seiner Zeit, die vom 2. bis zum 5. Januar im Bildungshaus Liborianum (www.liborianum.de) stattfand. Veranstalter war das Referat für Kirchenmusik des Generalvikariates unter der Leitung von Prof. Dr. Paul Thissen (www.kirchenmusik-erzbistum-paderborn.de). Nach einem ersten Vortrag über Martin Luther, dessen Biographie, Theologie und Musikanschauung durch Prof. Thissen begannen die Proben des etwa 60 Personen starken Chores, der aus haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmusikern unseres Bistums gebildet wurde. Im Rahmen der Chorproben wurden einige Kompositionen auf Basis von Luther-Texten erarbeitet und exemplarisch vorgestellt, darunter in Auszügen die Kantate Nr. 131 "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir" und die Chormotette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" von Johann Sebastian Bach, eine Chorfuge des Chorals "Nun komm, der Heiden Heiland" von Georg Philipp Telemann und eine Vertonung des Messordinariums von Claudio Monteverdi. Einige Stücke dienten der musikalischen Gestaltung der die Tagung abschließenden Messfeier. Geleitet wurden die Proben durch DKM Simon Daubhäußer aus Dortmund, der mit seiner motivierenden und dynamischen Art des Dirigates den ganzen Chor spielerisch durch noch so anspruchsvolle musikalische Motive führte.

Am Dienstag folgte nach weiteren Proben ein Ausflug zur Ausstellung "Luther 1917 bis heute", die seit dem 31. Oktober im Kloster Dalheim zu sehen ist. Nach einer einführenden Betrachtung der Lebzeiten Luthers vom "Tetzel-Kasten" mit der Überschrift "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!" über den Reichstag zu Worms und der vermeintlichen Entführung zur Wartburg, ging der Weg der Führung weiter durch die Jubiläumsjahre. Ein solches wird auch im Jahr 2017, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag, von der Evangelischen Kirche begangen werden.

Auch die Rezeption Luthers in der Zeit des Nationalsozialismus nimmt einen Teil der Ausstellung ein. Durch die Exponate wird deutlich, dass neben der Entwicklung, die durch Luthers Bibelübersetzung für die Volksfrömmigkeit entstand, wenn auch Luthers Übersetzung keineswegs die erste Deutsche Bibelausgabe war, auch eine Verzwecklichung der Person und der Aussagen Luthers stattgefunden hat. Eine solche Instrumentalisierung wird der Person Luthers sicherlich nicht gerecht.

 
 

Im weiteren Verlauf der Tagung beschäftigte sich die Gruppe mit den Themen: "Claudio Monteverdi und der Stilwandel um 1600" und "Die Kirchenmusik (Figural- und Orgelmusik sowie Kirchenlied) im Kontext der Reformation".

Am Abend des vierten Tages wurde die Tagung durch den Besuch eines Lauten-Konzertes in der Kaiserpfalz abgerundet, in dem das folgende Zitat Martin Luthers deutlich verständlich wurde:

"Und ich urteile frei heraus, ohne mich dieser Behauptung zu schämen, dass es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichgestellt werden könnte. Gewährt sie doch allein nach der Theologie, was sonst allein die Theologie schenkt: ein ruhiges und fröhliches Herz."
Martin Luther, Brief an Komponist Ludwig Senfl
Lauten-Konzert