Die Kandidaten zur Priesterweihe 2018 - Christian Schmidtke und Johannes Sanders

"Dem Geheimnis Gottes auf die Spur kommen"

Die Vorstellung der Weihekandidaten 2018 - Teil II.

Johannes Sanders berichtet von seinem Weg zum Priesteramt - Die Weihe wird am 19. Mai 2018 stattfinden.

Mein Name ist Johannes Sanders. Geboren wurde ich im Jahre 1990 in Neheim, einer kleinen Stadt im Sauerland. Wenn mich jemand nach meiner Berufungsgeschichte fragt, dann werfe ich einen Blick zurück in meine Biographie. Das ist der Ort, an dem ich Gott, wie im Rückspiegel eines Autos, entdecken kann. Die ersten Spuren Gottes finde ich in meiner Kinderzeit. Das Gebet und der Besuch von Gottesdiensten gehörten zum Alltag dazu. Gott war einfach da.
Nach der Erstkommunion wurde ich Messdiener. Gott war einfach da. Auf die Idee zu fragen, wer er eigentlich ist, kam ich erst gar nicht.

„Gott war einfach da!"
Johannes Sanders

Das änderte sich mit meiner Firmung. Mit ihr verbinde ich ein Schlüsselerlebnis. Unser Pfarrer schenkte uns Firmlingen damals ein kleines buntes Buch. Am Abend des Tages nahm ich es in die Hand, begann darin herumzublättern und las darin. Irgendwie entdeckte ich in einem der Texte genau das, was ich an diesem Tag erlebt hatte. Erst da fiel mir auf, dass ich eigentlich ein Gebetbuch in der Hand hielt. Daraufhin tat ich etwas, das ich in der Form noch nicht getan hatte. Ich begann aus diesem Buch zu beten. Alles, was ich am Tag erlebte, konnte ich Gott sagen. In diesem Moment lernte ich Gott ganz neu kennen; als jemanden, mit dem ich sprechen kann, ganz konkret als Person.
Wenn mich jemand fragen würde, wie ich diese Gespräche empfand, dann müsste ich so antworten: Gott legt einem den Arm auf die Schulter - eine wunderbare Erfahrung. Also suchte ich auch an den folgenden Abenden immer nach einem Gebet, um Gott zu sagen, was ich am vergangenen Tag erlebt hatte. Mit der Zeit entstand ein diffuses Gefühl des Suchens. Was ich suchte, wusste ich nicht. Alle Versuche der Klärung schlugen fehl.

Johannes Sanders

Zwei Jahre später wurde mein Bruder gefirmt. Nach der hl. Messe fragte mich jemand, ob ich schon einmal darüber nachgedacht hätte, Priester zu werden. Zunächst war ich einigermaßen verwundert über die Frage, doch ich spürte auch, dass in der Frage eine Antwort auf das diffuse, suchende Gefühl steckte. Eine Richtung, die ich nach dem Abitur einschlagen könnte, hatte ich vor Augen. Doch zu der Vorstellung, Priester zu werden und Theologie zu studieren, gesellten sich recht bald andere Pläne. Da ich in der Schule einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt gewählt hatte, konnte ich mir damals gut vorstellen, Maschinenbau zu studieren. Nach dem Abitur reizte mich das Theologiestudium doch mehr, sodass ich das Studium an der Theologischen Fakultät in Paderborn begann. Zwei Semester verbrachte ich in München an der Ludwig- Maximilians- Universität.
Während des Studiums half ich in einer Suppenküche mit. Dorthin kamen alte, kranke und obdachlose Menschen. Die vielen Gespräche und Begegnungen mit ihnen machten mir deutlich:

„Im Angesicht jedes Menschen hat Gott seine Spur hinterlassen. Wenn du ihm nachfolgen willst, dann musst du den Menschen dienen.
Johannes Sanders

 Durch den Dienst in der Suppenküche und durch das Gebet kristallisierte sich Gott als jemand heraus, auf den ich meinem Leben setzen kann. Daher lautet mein Primizspruch: „Spera in Deo“ (Ps 42, 12) – „Vertraue auf Gott.“